KV Metalltechnische Industrie: Gewerkschaften lehnen Arbeitgeber-Angebote ab

07. November 2017

Großes Unverständnis von Seiten der Unternehmen über Verweigerungshaltung

• Arbeitgeber waren bereit für 2,5 % Erhöhungen bei Löhnen und Gehältern

• Das liegt deutlich über der Inflation und beinhaltet einen ordentlichen Anteil am Produktivitätszuwachs

• Handlungsweise der Gewerkschaften nicht nachvollziehbar

(Wien, 7.11.2017) Die fünfte Verhandlungsrunde für den Kollektivvertrag der Metalltechnischen Industrie dauerte bis in die frühen Morgenstunden und brachte neuerlich keine Einigung, da die Gewerkschaften die Angebote der Arbeitgeber abgelehnt haben. Die Verhandler des Fachverbands legten zuletzt ein konkretes Angebot für die Erhöhung von Löhnen und Gehältern in der Höhe von plus 2,5 % vor. Dieses Angebot bestand damit aus einer vollständigen Abgeltung der Inflation der letzten 12 Monate von 1,88 % sowie einem Aufschlag von 0,62 %. Dieser Aufschlag entspricht einem erheblichen Anteil des Produktivitätszuwachses und würde den Beschäftigen eine deutliche Reallohnerhöhung bringen. Weiters gab es von Seiten der Arbeitgeber unter anderem Vorschläge zu spürbaren Erhöhungen bei den Lehrlingsentschädigungen und zur Anrechnung von Karenzen.

Das Angebot lag so im Rahmen sämtlicher Expertenerwartungen und im Durchschnitt am oberen Niveau der Abschlüsse der letzten Jahre. Umso unverständlicher ist daher die Ablehnung des Angebots durch die Gewerkschaften und der angekündigte Beginn von Streiks und weiteren Auseinandersetzungen. Alle Angebote des Fachverbands sind durch die Verweigerung der Gewerkschaften nun wieder zur Gänze vom Tisch. 

Betriebe werden Erhöhungen für Beschäftigte auf Betriebsebene umsetzen

Der Fachverband hat für den Moment keine neuen Verhandlungstermine mit den Gewerkschaften vereinbart und wird seine Gremien zur neuen Situation konsultieren. Er wird aber allen Mitgliedsbetrieben voraussichtlich eine Empfehlung zu einer freiwilligen Erhöhung der Löhne und Gehälter aussprechen. Die Geltung des Kollektivvertrags selbst ist davon nicht beeinflusst, denn er besteht mit allen Regelungen unabhängig von einer künftigen Einigung über die KV-Entgelte in vollem Umfang weiter. Fachverbandsobmann Christian Knill: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten von uns in jedem Fall eine faire Lohn- und Gehaltserhöhung, das haben sie sich verdient. Wenn die Gewerkschaften die Sozialpartnerschaft aufkündigen, müssen wir selbst aktiv werden. Damit zeigen wir echte Verantwortung für die Beschäftigten und den Standort.“

Sozialpartnerschaft in dieser Form gescheitert

Christian Knill weiter: „Die Gewerkschaften haben heute die Sozialpartnerschaft schwer beschädigt. Wir haben ein sehr faires Angebot gelegt und eine Vielzahl von Varianten angeboten. Es ist daher absolut unverständlich, dass die Funktionäre das neuerlich ablehnen und stattdessen ihre Mitglieder auf die Straße schicken. So kann das nicht weitergehen. Die Gewerkschaften agieren mit ihrem Populismus gegen die Interessen aller ArbeitnehmerInnen und schaden dem Standort.“ 

Zuletzt wurden sogar Betriebsversammlungen in Betrieben durchgeführt, die nicht dem Kollektivvertag der Metalltechnischen Industrie unterliegen, auch Streiks sind dort offenbar geplant. Damit schädigen sie die ganze Industrie und erfolgreiche Betriebe, die von diesen Verhandlungen nicht einmal betroffen sind. „Wozu soll das gut sein, wenn nicht nur für reine Machtpolitik auf dem Rücken aller, Betriebe und Beschäftigter. Die Beamtengewerkschaft zeigt vor, wie man professionell und sachlich verhandelt. Hinter verschlossenen Türen, mit Vernunft und wechselseitigem Respekt, und nicht mit Gebrüll auf der Straße“, meint Knill.

Über die Metalltechnische Industrie

Die Metalltechnische Industrie ist Österreichs stärkste Branche. Über 1.200 Unternehmen aus den Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Gießerei bilden das Rückgrat der heimischen Industrie. Die exportorientierte Branche ist mittelständisch strukturiert, besteht zu mehr als 85 % aus Familienbetrieben und ist für ein Viertel aller österreichischen Exporte verantwortlich. Zahlreiche Betriebe sind Weltmarktführer und „Hidden Champions“. Die Metalltechnische Industrie beschäftigt direkt rund 130.000 Menschen und sichert damit indirekt an die 250.000 Arbeitsplätze in Österreich. Sie erwirtschaftete 2016 einen Produktionswert von 35,5 Milliarden Euro. Der Fachverband Metalltechnische Industrie, ein Zusammenschluss der ehemaligen Fachverbände Maschinen- und Metallwarenindustrie sowie Gießereiindustrie, zählt zu den größten Wirtschafts- und Arbeitgeberverbänden Österreichs und ist eine eigenständige Organisation im Rahmen der Wirtschaftskammer Österreich.

Rückfragehinweis:
Fachverband Metalltechnische Industrie
Dr. Berndt-Thomas Krafft
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