Springe zum Seiteninhalt
Metalltechnische Industrie Logo

Blockadepolitik der Gewerkschaften verhindert KV-Einigung

Time Icon
computergesteuerte Maschine

Arbeitgeber-Angebot liegt in Summe bei 3,2 %; Metalltechnische Industrie bedauert erneuten einseitigen Verhandlungsabbruch durch die Gewerkschaften

(Wien, 3. November 2021)

Auch die vierte Verhandlungsrunde fĂŒr den Kollektivvertrag der Metalltechnischen Industrie (MTI) brachte heute Nacht nach fast vierzehnstĂŒndigen Verhandlungen keine Einigung. Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie: „Wir haben heute einen fairen Vorschlag vorgelegt und sind bereit, die Löhne und GehĂ€lter sowie Zulagen in unserer Branche in jedem Fall klar ĂŒber der Inflation der letzten zwölf Monate zu erhöhen – das wĂ€re somit ein echter Reallohngewinn. Außerdem haben wir deutliche Verbesserungen bei den Schichtzulagen und eine starke Erhöhung der Lehrlingsentgelte vorgeschlagen. Die Gewerkschaften haben unser Angebot trotzdem zur GĂ€nze abgelehnt und legen es offenbar ausschließlich darauf an, Aufruhr und Unmut in den Betrieben zu erzeugen. Mitten in der aktuellen Corona-Welle ist das besonders verantwortungslos.“

Das Angebot der Metalltechnischen Industrie beinhaltete zuletzt konkret die Erhöhungen der KV- und IST-Löhne und GehĂ€lter um 2,75 %, eine ĂŒberproportionale Erhöhung der Lehrlingsentgelte sowie eine deutliche Erhöhung der Schichtzulagen. Mit diesen Erhöhungen ergibt sich fĂŒr heuer ein Gesamtpaket mit Mehrkosten fĂŒr die Betriebe von rund 3,2 %.

Knill weiter: „Wir waren heute abschlussbereit. Die Gewerkschaften haben sich leider auf ein unrealistisches Forderungspaket festgelegt. Die wirtschaftliche Entwicklung lĂ€sst – wenn man vernĂŒnftig agiert – aber keinen höheren Abschluss zu.“
GrundsĂ€tzlich hat sich die Ausgangslage nicht verĂ€ndert: Die Metalltechnische Industrie hat die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten zu bewĂ€ltigen, die Betriebe holen gerade auf was sie verloren haben, aber nicht mehr. Dazu kommen große Unsicherheiten bei den Material- und Energiekosten und eine stark anschwellende Corona-Welle. Der KV-Abschluss muss aus Sicht der Metalltechnischen Industrie vernĂŒnftig und machbar fĂŒr alle Betriebe sein.

„Die Warnstreiks sind deplatziert, verantwortungslos und reine Inszenierung. Wir werden uns davon nicht blenden lassen und weiterhin im Sinne der Unternehmen und der BeschĂ€ftigten auf einen vernĂŒnftigen und fairen Abschluss hinarbeiten“, so Knill abschließend.

Hintergrund-Informationen:

KV-Grundlagen: Wirtschaftliche Eckdaten in der MTI

  • Die Metalltechnischen Industrie gehört zu den bestzahlenden Branchen, das monatliche Durchschnittsgehalt betrĂ€gt 4.447 Euro, der Durchschnittslohn liegt bei 3.125 Euro. Die realen Löhne und GehĂ€lter in der Branche liegen im Schnitt zwischen 11 % und 28 % ĂŒber KV.
  • Im Jahr 2020 verzeichnete die Metalltechnische Industrie einen RĂŒckgang in der Produktion von 10,6 %, das entspricht einem Produktionswert von rund 3,6 Milliarden Euro. Die Zahl der BeschĂ€ftigten verringerte sich weniger stark um rund 2 %. In den ersten fĂŒnf Monaten 2021 liegt die Produktion um rund 21 % im Plus, nach einem Minus von 18 % im Vergleichszeitraum 2020 ist das statistisch gesehen ein Ausgleich und in erster Linie durch Nachholeffekte begrĂŒndet.
  • Laut einer aktuellen Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben der Metalltechnischen Industrie rechnen diese fĂŒr 2021 im Schnitt mit einem Wachstum von rund 9,3 %. Damit wĂ€re noch im-mer nicht das Niveau von 2019, dem Jahr vor Beginn der Corona-Krise, erreicht. Gleichzeitig beurteilen 45 % der Betriebe ihre Margensituation als aktuell schwĂ€cher als im Durchschnitt der Vorkrisenjahre. Der Grund dafĂŒr liegt vor allem im schwierigen internationalen Marktumfeld. Die Rohstoffpreise, etwa fĂŒr Stahl, sind in den letzten Monaten explodiert und viele Vormaterialien am Weltmarkt nur schwer und mit großen Verzögerungen lieferbar.
  • Mehr als 85 % der Betriebe sind Familienbetriebe und mittelstĂ€ndisch strukturiert. Entsprechend heterogen ist auch ihre wirtschaftliche Entwicklung.
  • Österreichs Gesamtwirtschaft verzeichnete 2020 einen historischen Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 6,7 Prozent. FĂŒr 2021 erwarten die Wirtschaftsforscher ein Wachstum von rund 4,4 %, der Einbruch ist somit noch nicht aufgeholt. Die Inflation lag in den zurĂŒckliegenden 12 Monaten bei durchschnittlich 1,9 %.
  • Ein vernĂŒnftiger KV-Abschluss muss die wirtschaftlichen Gegebenheiten widerspiegeln. Der Kollektivvertrag legt grundsĂ€tzlich einen Mindeststandard fest, der die HeterogenitĂ€t der Betriebe zu berĂŒcksichtigen hat. Daher sind nicht die erfolgreichsten Betriebe als Maßstab zu nehmen, sondern alle Betriebe der Branche mit ihren sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Herausforderungen.

Über die Metalltechnische Industrie
Die Metalltechnische Industrie ist Österreichs stĂ€rkste Branche. Über 1.200 Unternehmen aus den Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Gießerei bilden das RĂŒckgrat der heimischen Industrie. Die exportorientierte Branche ist mittelstĂ€ndisch strukturiert, besteht zu mehr als 85 % aus Familienbetrieben und ist fĂŒr ein Viertel aller österreichischen Exporte verantwortlich. Zahlreiche Betriebe sind WeltmarktfĂŒhrer und „Hidden Champions“.

Die Metalltechnische Industrie beschĂ€ftigt direkt mehr als 134.000 Menschen und sichert damit indirekt an die 250.000 ArbeitsplĂ€tze in Österreich. Sie erwirtschaftete 2020 einen Produktionswert von rund 36 Milliarden Euro. Der Fachverband Metalltechnische Industrie, ein Zusammenschluss der ehemaligen FachverbĂ€nde Maschinen- und Metallwarenindustrie sowie Gießereiindustrie, zĂ€hlt zu den grĂ¶ĂŸten Wirtschafts- und ArbeitgeberverbĂ€nden Österreichs und ist eine eigenstĂ€ndige Organisation im Rahmen der Wirtschaftskammer Österreich.


RĂŒckfragehinweis:
Fachverband Metalltechnische Industrie
Dipl.-iur. Sabine Hesse, MBA
Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien
+43 (0)5 90900-3482
office@fmti.at, www.metalltechnischeindustrie.at



XS SM MD LG XL