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Metalltechnische Industrie: Verwerfungen am Stahlmarkt gefÀhrden Aufschwung

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PRESSEINFORMATION

Metalltechnische Industrie: Verwerfungen am Stahlmarkt gefÀhrden Aufschwung

Starker Anstieg der Preise in den letzten Monaten und verringertes Angebot fĂŒhrten zu hoher VolatilitĂ€t am Stahlmarkt, Nachfrage kann nicht gedeckt werden

  • Stahlpreisindex von November 2020 bis JĂ€nner 2021 um 21,7 % gestiegen; in einzelnen Bereichen stiegen Preise sogar um ĂŒber 50 %
  • Corona-Krise verursachte globale Reduktion von KapazitĂ€ten der Stahlhersteller, unsichere Marktlage verhindert Hochfahren der Produktion
  • Knappes Stahlangebot fĂŒhrt zu VersorgungsengpĂ€ssen
  • Volatile Preisentwicklung und höhere Nachfrage bringen Risiko fĂŒr erwarteten Industrieaufschwung
  • Metalltechnische Industrie fordert Hochfahren und Sicherung der Stahlproduktion in Europa

(Wien, 19.2.2021) Der Fachverband Metalltechnische Industrie sieht durch die aktuellen Entwicklungen am Stahlmarkt den bevorstehenden Aufschwung in der Industrieproduktion gefĂ€hrdet. Der aktuelle Konjunkturbarometer fĂŒr die Metalltechnische Industrie zeigte kĂŒrzlich leicht steigende Produktionserwartungen fĂŒr die nĂ€chsten Monate. Laut einer Blitzbefragung in der Branche investieren 77 % der Unternehmen heuer mehr oder zumindest gleich viel wie im letzten Jahr. Die Zeichen stehen auf Erholung. Gleichzeitig birgt die aktuelle Entwicklung am Stahlmarkt hohe Risiken fĂŒr den erwarteten Aufschwung. Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie: „Wir stecken derzeit in einer ZwickmĂŒhle. In einigen Sektoren im Stahl- und Maschinenbau gibt es eine an sich gute Auftragslage mit hohem Produktionspotential. Aber es mangelt an ausreichend StahlkapazitĂ€ten und die Preise entwickeln sich sehr volatil. Außergewöhnlich hohe Preissteigerungen in den letzten Monaten machen eine mittelfristige Planung schwierig.“

Bei den Stahlpreisen hat sich in den letzten Monaten eine gefÀhrliche Entwicklung ergeben. Stahlverarbeitende Betriebe berichten von sprunghaften Preisanstiegen um bis zu
50 % und mehr – und das teilweise innerhalb weniger Wochen. Der Stahlpreisindex der Statistik Austria stieg in den Monaten November 2020 bis JĂ€nner 2021 um 21,7 %, alleine von Dezember 2020 bis JĂ€nner 2021 legte der Index um 17,7 % zu. Die Steigerungen betreffen fast alle Stahlsorten, vor allem auch Stahlbleche und Laserzuschnitte fĂŒr den Stahl- und Maschinenbau.

VielfĂ€ltige Ursachen fĂŒr Marktverwerfungen

Die Verwerfungen am internationalen Stahlmarkt haben unterschiedliche Ursachen, der Hauptgrund liegt aber in der Corona-Krise. Mit den ersten Lockdowns im MĂ€rz 2020 kam es zu deutlichen KapazitĂ€tsreduktionen in der globalen Stahlproduktion. Diese nachvollziehbare Reaktion der Stahlhersteller fĂŒhrte zu einer Verknappung des Stahlangebots. Bereits im SpĂ€tsommer 2020 kam es aber wieder zur Erholung einzelner Branchen, etwa der Bauindustrie, und hohen Steigerungsraten bei der Nachfrage aus China, wo die Industrieproduktion seit Monaten auf hohem Niveau lĂ€uft. Das verringert die Möglichkeiten, Stahl aus Asien zu importieren, da sehr viel davon lokal benötigt wird. Außerdem erleben wir derzeit eine Explosion der Übersee-Frachtkosten durch einen Mangel an Frachtcontainern. Auch das trĂ€gt zur derzeitigen Knappheit am Markt bei. Die Corona-Entwicklungen im Herbst lieferten wieder etwas negativere Aussichten und damit weniger Anreiz, KapazitĂ€ten breiter hochzufahren, auch wenn es zu Nachholeffekten, etwa in der Automobilindustrie kam.

Die europĂ€ische Stahlvereinigung EUROFER rechnet fĂŒr 2020 mit einem RĂŒckgang des Stahlverbrauchs um 13 %. FĂŒr 2021 hingegen erwartet sie eine Steigerung um 13,3 %, damit wĂ€re der RĂŒckgang bereits heuer fast wieder wettgemacht. Auch bei den Rohstoffen zeigte sich eine Ă€hnliche Entwicklung: die Minenproduktion wurde zurĂŒckgefahren, das fĂŒhrte zu enormen Preissteigerungen etwa bei Eisenerz von bis zu 40 % von November 2020 bis JĂ€nner 2021. Diese volatilen Entwicklungen betrafen in Folge auch den Stahlhandel, der wiederum von den Erwartungen und AuftrĂ€gen der Unternehmen abhĂ€ngt. Alles in allem eine sehr unĂŒberschaubare und gefĂ€hrliche Lage, die den zu erwartenden Aufschwung in der Industrieproduktion gefĂ€hrdet. Denn Industriebetriebe brauchen vor allem Planbarkeit fĂŒr die Produktion ebenso wie fĂŒr die Preiskalkulation.

Appell an Stahlhersteller: KapazitÀten rasch erhöhen

Die Metalltechnische Industrie appelliert daher an die Stahlhersteller in Europa, die KapazitĂ€ten rasch wieder Schritt fĂŒr Schritt hochzufahren. Die voestalpine hat kĂŒrzlich begonnen, ihre Stahlproduktion in Österreich wieder zu erhöhen. Das wird von der Metalltechnischen Industrie als positives und wichtiges Zeichen gedeutet.

Christian Knill: „Wir sehen in der Metalltechnischen Industrie klare Signale fĂŒr ein neues Wachstum aus dieser Krise hinaus. Einzelne Bereiche verzeichnen bereits seit einigen Monaten eine stabile Nachfrage. Dem stehen nun unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig hohe und volatile Preise sowie mangelnde KapazitĂ€ten gegenĂŒber. Diese ZwickmĂŒhle gilt es rasch aufzulösen, indem Stahlhersteller und Stahlverarbeiter gemeinsam mitwirken, wieder ein Gleichgewicht in den Markt zu bringen. Wir appellieren daher an unsere Marktpartner in Europa, die KapazitĂ€ten wieder zu erhöhen.“

Christian Knill sieht aber auch die europĂ€ische Union und ihre MitgliedslĂ€nder gefordert. Denn mittlerweile finden rund 72 % der weltweiten Rohstahlproduktion in Asien statt, in Europa werden nur noch 16 % produziert, in Nord- und SĂŒdeuropa an die 9 %, der Rest verteilt sich auf andere Regionen. In Europa geht die Tendenz weiter nach unten. Es gilt deshalb, die Rahmenbedingungen fĂŒr den Aufschwung industriefreundlich zu gestalten und die europĂ€ische Stahlindustrie generell zu stĂ€rken. „Instrumente wie Kurzarbeit und Investitionsförderungen sind wichtig zur Absicherung der Stahlindustrie in Europa. Wir mĂŒssen eigene KapazitĂ€ten in Europa haben, um nicht gĂ€nzlich von Produkten aus China oder den USA abhĂ€ngig zu sein. Gleichzeitig mĂŒssen Handelshemmnisse beseitigt werden. Die EU sollte daher auch Maßnahmen setzen, damit Stahlimporte fĂŒr unsere Branche leichter möglich sind, wenn die europĂ€ischen Hersteller die Nachfrage in Europa nicht decken können“, so Knill abschließend.

Über die Metalltechnische Industrie

Die Metalltechnische Industrie ist Österreichs stĂ€rkste Branche. Über 1.200 Unternehmen aus den Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Gießerei bilden das RĂŒckgrat der heimischen Industrie. Die exportorientierte Branche ist mittelstĂ€ndisch strukturiert, besteht zu mehr als 85 % aus Familienbetrieben und ist fĂŒr ein Viertel aller österreichischen Exporte verantwortlich. Zahlreiche Betriebe sind WeltmarktfĂŒhrer und „Hidden Champions“.

Die Metalltechnische Industrie beschĂ€ftigt direkt mehr als 134.000 Menschen und sichert damit indirekt an die 250.000 ArbeitsplĂ€tze in Österreich. Sie erwirtschaftete 2020 einen Produktionswert von rund 34 Milliarden Euro. Der Fachverband Metalltechnische Industrie, ein Zusammenschluss der ehemaligen FachverbĂ€nde Maschinen- und Metallwarenindustrie sowie Gießereiindustrie, zĂ€hlt zu den grĂ¶ĂŸten Wirtschafts- und ArbeitgeberverbĂ€nden Österreichs und ist eine eigenstĂ€ndige Organisation im Rahmen der Wirtschaftskammer Österreich.

RĂŒckfragen
Fachverband Metalltechnische Industrie
Dr. Berndt-Thomas Krafft
Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien
+43 (0)5 90900-3482
office@fmti.at, www.metalltechnischeindustrie.at



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