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Metalltechnische Industrie: Gewerkschaften zeigen kein Interesse an Abschluss

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MetallwerkstĂŒck

Seriöses Arbeitgeberangebot lag in dritter Verhandlungsrunde bei insgesamt knapp 2,3 %; Betriebsversammlungen inmitten der ansteigenden Corona-Welle fragwĂŒrdig

(Wien, 21.10.2021) Auch die dritte Verhandlungsrunde fĂŒr den Kollektivvertrag der Metalltechnischen Industrie wurde heute Abend erneut von den Gewerkschaften einseitig und vorzeitig abgebrochen. Das Verhandlungsangebot der Metalltechnischen Industrie beinhaltete zuletzt eine Erhöhung der Löhne und GehĂ€lter, Zulagen sowie LehrlingsentschĂ€digungen um 2,1 %, das ist ĂŒber der zugrundeliegenden Inflation, sowie eine Steigerung der Zulagen fĂŒr die zweite Schicht um 44 %. Das ergibt zusammen ein Paket von knapp 2,3 % Lohn- und Gehaltserhöhung. Die Gewerkschaften hatten aber kein Interesse an echten, tiefergehenden Verhandlungen.

Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie (FMTI), zeigt sich verĂ€rgert ĂŒber die Verhandlungsstrategie der Gewerkschaften: „Es ist tatsĂ€chlich schade um die Zeit, wenn die Gewerkschaften bereits im Vorfeld der GesprĂ€che Betriebsversammlungen und BetriebsrĂ€tekonferenzen organisieren. Nun werden sogar Warnstreiks angekĂŒndigt, auch in Branchen, fĂŒr die wir gar nicht verhandeln. Es geht heuer offenbar nicht um vernĂŒnftige Ergebnisse, sondern SĂ€belrasseln und Propaganda. So können wir gleich auf die ersten Verhandlungsrunden verzichten, das ist schade und verantwortungslos.“

Knill verweist auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und verlangt mehr RealitĂ€tssinn: „Die Gewerkschaften argumentieren einĂ€ugig: Nach dem grĂ¶ĂŸten Einbruch der letzten Jahrzehnte verzeichnen wir zwar ein gutes Wachstum und gefĂŒllte AuftragsbĂŒcher, aber das Produktionskonto ist immer noch im Minus. Dazu belasten internationale Liefer- und Logistikprobleme sowie explodierende Rohstoffpreise die Erholung. Gerade deshalb wĂ€re ein rascher und machbarer Abschluss sinnvoll, der Sicherheit fĂŒr die Betriebe und BeschĂ€ftigten bringen wĂŒrde. Jetzt in der anschwellenden Corona-Welle aus rein politischen Motiven österreichweit Betriebsversammlungen durchzufĂŒhren, ist zwar gutes Recht, aber mehr als fragwĂŒrdig. Verhandlungen in schwierigen Zeiten verlangen Verantwortungsbewusstsein und echten Willen zur Kooperation. Beides ist bei den Gewerkschaften derzeit nicht vorhanden. Wir stehen weiterhin zu einem fairen Abschluss fĂŒr die Mit-arbeiterinnen und Mitarbeiter, leider werden deren Interessen aber von den Gewerkschaften poli-tisch missbraucht.“

DarĂŒber hinaus ist festzuhalten, dass der Kollektivvertrag immer einen Mindeststandard festlegt, der die HeterogenitĂ€t der Betriebe zu berĂŒcksichtigen hat, nicht die Best-Performer sind der Maßstab, sondern der Durchschnittsbetrieb. „Es steht den BetriebsrĂ€ten frei, mit den von ihnen immer wieder beispielhaft genannten erfolgreichen Betrieben ĂŒber zusĂ€tzliche Erhöhungen zu verhandeln. Der Kollektivvertrag muss aber fĂŒr alle Betriebe machbar sein“, so Knill abschließend.

Hintergrund-Informationen:

KV-Grundlagen: Wirtschaftliche Eckdaten in der MTI

  • Die Metalltechnischen Industrie gehört zu den bestzahlenden Branchen, das monatliche Durchschnittsgehalt betrĂ€gt 4.447 Euro, der Durchschnittslohn liegt bei 3.125 Euro. Die realen Löhne und GehĂ€lter in der Branche liegen im Schnitt zwischen 11 % und 28 % ĂŒber KV.
  • Im Jahr 2020 verzeichnete die Metalltechnische Industrie einen RĂŒckgang in der Produktion von 10,6 %, das entspricht einem Produktionswert von rund 3,6 Milliarden Euro. Die Zahl der BeschĂ€ftigten verringerte sich weniger stark um rund 2 %. In den ersten fĂŒnf Monaten 2021 liegt die Produktion um rund 21 % im Plus, nach einem Minus von 18 % im Vergleichszeitraum 2020 ist das statistisch gesehen ein Ausgleich und in erster Linie durch Nachholeffekte begrĂŒndet.
  • Laut einer aktuellen Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben der Metalltechnischen Industrie rechnen diese fĂŒr 2021 im Schnitt mit einem Wachstum von rund 9,3 %. Damit wĂ€re noch immer nicht das Niveau von 2019, dem Jahr vor Beginn der Corona-Krise, erreicht. Gleichzei-tig beurteilen 45 % der Betriebe ihre Margensituation als aktuell schwĂ€cher als im Durch-schnitt der Vorkrisenjahre. Der Grund dafĂŒr liegt vor allem im schwierigen internationalen Marktumfeld. Die Rohstoffpreise, etwa fĂŒr Stahl, sind in den letzten Monaten explodiert und viele Vormaterialien am Weltmarkt nur schwer und mit großen Verzögerungen lieferbar.
  • Mehr als 85 % der Betriebe sind Familienbetriebe und mittelstĂ€ndisch strukturiert. Entsprechend heterogen ist auch ihre wirtschaftliche Entwicklung.
  • Österreichs Gesamtwirtschaft verzeichnete 2020 einen historischen Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 6,7 Prozent. FĂŒr 2021 erwarten die Wirtschaftsforscher ein Wachstum von rund 4,4 %, der Einbruch ist somit noch nicht aufgeholt. Die Inflation lag in den zurĂŒcklie-genden 12 Monaten bei durchschnittlich 1,9 %.

Über die Metalltechnische Industrie
Die Metalltechnische Industrie ist Österreichs stĂ€rkste Branche. Über 1.200 Unternehmen aus den Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Gießerei bilden das RĂŒckgrat der heimischen Industrie. Die exportorientierte Branche ist mittelstĂ€ndisch strukturiert, besteht zu mehr als 85 % aus Familienbetrieben und ist fĂŒr ein Viertel aller österreichischen Exporte verantwortlich. Zahlreiche Betriebe sind WeltmarktfĂŒhrer und „Hidden Champions“.

Die Metalltechnische Industrie beschĂ€ftigt direkt mehr als 134.000 Menschen und sichert damit indirekt an die 250.000 ArbeitsplĂ€tze in Österreich. Sie erwirtschaftete 2020 einen Produktionswert von rund 36 Milliarden Euro. Der Fachverband Metalltechnische Industrie, ein Zusammenschluss der ehemaligen FachverbĂ€nde Maschinen- und Metallwarenindustrie sowie Gießereiindustrie, zĂ€hlt zu den grĂ¶ĂŸten Wirtschafts- und ArbeitgeberverbĂ€nden Österreichs und ist eine eigenstĂ€ndige Organisation im Rahmen der Wirtschaftskammer Österreich.


RĂŒckfragehinweis:
Fachverband Metalltechnische Industrie
Dipl.-iur. Sabine Hesse, MBA
Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien
+43 (0)5 90900-3358
office@fmti.at, www.metalltechnischeindustrie.at



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