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Nachhaltige Finanzierung

Die EuropĂ€ische Kommission verknĂŒpft die Themen Klimaschutz und Finanzierung immer mehr.
Unter dem Stichwort „Nachhaltige Finanzierung“ soll das Finanzsystem, welches derzeit reformiert wird, ein Teil der Lösung fĂŒr eine umweltvertrĂ€glichere und nachhaltigere Wirtschaft sein.


EU verabschiedet Paket zur nachhaltigen Finanzierung (Juli 2021)

Die EuropÀische Kommission hat Anfang Juli 2021 ihr zweites Paket zur nachhaltigen Finanzierung verabschiedet. Dieses Paket stellt den Fahrplan zur BewÀltigung des Klimawandels und anderer Umwelt-Herausforderungen dar und besteht aus:

  • einer erneuerten Strategie fĂŒr nachhaltige Finanzen,  
  • dem Vorschlag fĂŒr eine Verordnung ĂŒber europĂ€ische grĂŒne Anleihen und  
  • dem delegierten Rechtsakt zu den Regeln fĂŒr die Taxonomie-Berichterstattung. 


Hier finden Sie die Kernpunkte: 

Erneuerte Strategie fĂŒr nachhaltige Finanzen: 
Ganz allgemein legt die Strategie sechs Aktionen fest, die zu ökologischer Nachhaltigkeit fĂŒhren und gleichzeitig nachhaltige Investitionen erhöhen sollen. Die Strategie enthĂ€lt Elemente, die sich auf die kommenden (ergĂ€nzenden) Klima- und Umweltaspekte der Taxonomie beziehen. 
In Bezug auf den ergĂ€nzenden Klima-Akt ist zu beachten, dass die Strategie nicht ausdrĂŒcklich erwĂ€hnt, dass “nur” bestimmte ProduktionsaktivitĂ€ten abgedeckt werden, wie es in einem geleakten Dokument der Fall war. Stattdessen konzentriert sie sich auf den Energiesektor und die Landwirtschaft. Laut Anhang der Strategie wird die Kommission jedoch technische Screening-Kriterien fĂŒr weitere AktivitĂ€ten, die zu den Klimazielen beitragen (z. B. weitere Fertigungs- und TransportaktivitĂ€ten), annehmen.

Zu berĂŒcksichtigen ist jedenfalls, dass ÜbergangsaktivitĂ€ten und –technologien, die zu einer Reduktion der CO2 Emissionen fĂŒhren, berĂŒcksichtigt werden. Bei der Erweiterung der Taxonomie-Kriterien muss die Wirtschaft jedenfalls eingebunden werden! Was den Umwelt-Akt betrifft, wird die Kommission ihn in der zweiten HĂ€lfte des Jahres 2022 verabschieden.    

Verordnung ĂŒber europĂ€ische grĂŒne Anleihen:  
Die Kommission schlĂ€gt einen Standard fĂŒr europĂ€ische grĂŒne Anleihen vor, der auf der Taxonomie basiert. Es wird ein freiwilliger Standard sein, den Unternehmen und Behörden fĂŒr die Finanzierung ihres nachhaltigen Wandels nutzen können. Durch diesen Standard soll das Risiko von Greenwashing* reduziert werden. Dieser Vorschlag wird das ordentliche Gesetzgebungsverfahren durchlaufen, an dem das Parlament und der Rat gleichberechtigt beteiligt sind.  

Delegierter Rechtsakt zu den Regeln der Taxonomie-Berichterstattung (Art. 8 der Taxonomie-Verordnung): 
Im Delegierten Rechtsakt ist festgelegt, welche Informationen ĂŒber den der EU-Taxonomie entsprechenden Anteil ihrer GeschĂ€fts-, Investitions- oder AnleihetĂ€tigkeit große Finanz- und Nicht-Finanzunternehmen nach welcher Methodik offenzulegen haben. 
Unternehmen, die zwei der drei Kriterien (mehr als 250 Mitarbeiter/mindestens 40 Mio. € Umsatz/mind. 20 Mio. € Bilanzsumme) erfĂŒllen, mĂŒssen den Anteil ihres Umsatzes, ihres Kapitals und ihrer Betriebsausgaben offenlegen, der an der Taxonomie ausgerichtet ist. Unternehmen, die in den Anwendungsbereich fallen, mĂŒssen die Informationen unter Verwendung der in Anhang II dieser Verordnung aufgefĂŒhrten Vorlagen offenlegen. FĂŒr KMU sollen vereinfachte Berichtspflichten gelten, die ĂŒber delegierte Rechtsakte bis zum 31.10.2023 festgelegt werden sollen. Im Jahr 2022 soll sich die Berichterstattung auf bestimmte Elemente und die qualitative Berichterstattung beschrĂ€nken, wĂ€hrend die vollstĂ€ndige Berichterstattung ab dem 1.01.2023 gelten wird. FĂŒr KMU wird es möglicherweise eine Übergangspflicht bis 1.01.2026 geben. Der Delegierte Akt wird dem EuropĂ€ischen Parlament und dem Rat fĂŒr einen Zeitraum von 4 Monaten, der einmal um 2 Monate verlĂ€ngert werden kann, zur PrĂŒfung ĂŒbermittelt. 
*Greenwashing bedeutet, dass Unternehmen den Eindruck erwecken, dass das Unternehmen selbst oder seine Produkte mehr zum Umweltschutz beitragen, als es tatsĂ€chlich der Fall ist. 

Link zu allen Dokumenten:
https://ec.europa.eu/info/publications/210706-sustainable-finance-strategy_en


Die EuropĂ€ische Kommission hat den "EU Taxonomy Compass" eingefĂŒhrt

Dieses digitale Tool wird die Nutzer durch die EU-Taxonomie navigieren, beginnend mit dem Delegierten Rechtsakt zum Klima. Es ermöglicht den Nutzern zu ĂŒberprĂŒfen, welche AktivitĂ€ten in der EU-Taxonomie enthalten sind, zu welchen Zielen sie wesentlich beitragen und was die zugehörigen technischen PrĂŒfkriterien sind. 

Der Kompass bietet auch Download-Optionen, die die Integration der Kriterien in Unternehmensdatenbanken und andere IT-Systeme erleichtern sollen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der EuropÀischen Kommission


Legislativpaket zum Thema nachhaltige Finanzen und Nachhaltigkeitsberichterstattung verabschiedet

Die EuropĂ€ische Kommission hat ein Legislativpaket zum Thema nachhaltige Finanzen und Nachhaltigkeitsberichterstattung verabschiedet. Dieses Paket besteht 

  • aus dem Delegierten Rechtsakt zur EU-Klimataxonomie, 
  • einem Vorschlag zur Überarbeitung der Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung, die nun in Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen umbenannt wurde, 
  • sowie weiteren Initiativen, die Finanzunternehmen betreffen. 

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Sustainable Finance / Nachhaltige Finanzen 

Am 20. MĂ€rz 2021 verschickte die EuropĂ€ische Kommission einen neuen Entwurf des delegierten Rechtsaktes mit den technischen Bewertungskriterien fĂŒr die Umweltziele „Klimaschutz“ und „Anpassung an den Klimawandel“ zur EU-Taxonomie an die Mitgliedstaaten und das EuropĂ€ische Parlament.
Der neue Entwurf wurde von der Kommission zwischen JĂ€nner und MĂ€rz 2021 auf Basis der RĂŒckmeldungen auf die öffentliche Konsultation im Dezember 2020 (RĂŒckmeldung der WKÖ) sowie der Mitgliedstaaten erarbeitet.

Anpassungen gegenĂŒber dem ersten Entwurf:

  • FĂŒr Kraftwerke, die mit Erdgas betrieben werden, ist der zu ehrgeizige Schwellenwert von 100 g CO2e/kWh unverĂ€ndert geblieben. 
  • Klassifizierungen von hocheffizienten KWK-Anlagen mit Gas als Brennstoff wurden als ÜbergangsaktivitĂ€ten durch die Schaffung einer neuen Kategorie fĂŒr den Ersatz von Kohlekraftwerken durch Gas-KWK-Anlagen berĂŒcksichtigt, allerdings mit sehr restriktiven Kriterien. So gelten auch fĂŒr erdgasbefeuerte KWK-Kraftwerke weiterhin der 100 g-Grenzwert. 
  • Die Regeln fĂŒr die Herstellung von Wasserstoff wurden leicht angepasst. Die Anforderungen zur Einsparung von THG-Emissionen fĂŒr Wasserstoff wurden von 80 % auf 73,4 % gesenkt. Dies ist immer noch deutlich höher als der von der Technischen Expertengruppe empfohlene Wert.
  • Anpassung der Kriterien fĂŒr Wasserkraft, u. a. durch Bezugnahme auf die EU-Wasserrahmen-Richtlinie;
  • Aufnahme von Pumpspeichern in die Kategorie fĂŒr Stromspeicher.

FAQ: Über die Arbeit der EuropĂ€ischen Kommission und der Technical Expert Group on Nachhaltige Finanzen zu EU TAXONOMIE & EU GREEN BOND STANDARD

Diese FAQ konzentriert sich auf die Abschlussberichte der Technischen Expertengruppe fĂŒr Nachhaltige Finanzen (TEG) zur EU-Taxonomie und dem EU Green Bond Standard (EU GBS) sowie darauf, wie die Kommission den Inhalt dieser Berichte den Inhalt dieser Berichte voranzutreiben.

FAQ: Was ist die EU-Taxonomie und wie wird sie in der Praxis funktionieren?

Der Zweck dieses FAQ-Dokuments ist es, einige der Fragen zu beantworten, die Interessenvertreter hĂ€ufig an die Kommissionsdienststellen ĂŒber die EU-Taxonomie und den Entwurf des delegierten Rechtsakts stellen. Es stellt keine Rechtsberatung dar und enthĂ€lt nur die Ansichten der Kommissionsdienststellen, welche das Kollegium der Kommissionsmitglieder nicht binden.

Nachhaltige Finanzen

Die EuropĂ€ische Kommission hat 2018 ihren Aktionsplan “Finanzierung nachhaltigen Wachstums“ veröffentlicht, in dem eine ehrgeizige und umfassende Strategie fĂŒr ein nachhaltiges Finanzwesen dargelegt wurde. Eines der Hauptziele dieses Aktionsplans ist die Neuausrichtung von KapitalflĂŒssen hin zu nachhaltigen Investitionen, um ein nachhaltiges und integratives Wachstum zu schaffen.

In diesem Zusammenhang hat die EuropÀische Kommission dem Rat im Mai 2018 ein Paket von GesetzgebungsvorschlÀgen vorgelegt:

  • den Vorschlag fĂŒr eine Verordnung ĂŒber die Einrichtung eines Rahmens zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen („Taxonomie-VO“)
  • en Vorschlag fĂŒr eine Verordnung ĂŒber die Offenlegung von Informationen ĂŒber nachhaltige Investitionen und Nachhaltigkeitsrisiken sowie zur Änderung der Richtlinie (EU) 2016/2341, auch als „Offenlegungsverordnung“ bezeichnet; und
  • den Vorschlag fĂŒr eine Verordnung zur Änderung der Verordnung (EU) 2016/1011 in Bezug auf Referenzwerte fĂŒr CO2-arme Investitionen und Referenzwerte fĂŒr Investitionen mit gĂŒnstiger CO2-Bilanz, auch als „Referenzwerte-Verordnung“ bezeichnet.

Über die Offenlegungsverordnung und die Referenzwerte-Verordnung wurde im MĂ€rz 2019 eine politische Einigung mit dem EuropĂ€ischen Parlament erzielt. Zur Taxonomie-VO erfolgte der politische Beschluss am 18.12.2019.

Die Ziele der Taxonomie-VO sind:

  • Festlegung geeigneter Definitionen fĂŒr Unternehmen und Anleger*innen, welche wirtschaftlichen TĂ€tigkeiten als ökologisch nachhaltig angesehen werden können;
  • BefĂ€higung der Endanleger*innen, einschließlich Kleinanleger*innen, ihr Kapital in ökologisch nachhaltige TĂ€tigkeiten zu lenken, indem durch diese Definitionen die Risiken der „GrĂŒnfĂ€rberei (Greenwashing)“ begrenzt werden;
  • Vermeidung einer Marktfragmentierung, indem im Hinblick auf die Definition von ökologischer Nachhaltigkeit fĂŒr Anlagezwecke ein einziger Bezugspunkt fĂŒr Anleger*innen, Unternehmen und Mitgliedstaaten geschaffen wird.

Die Verordnung legt den Rahmen und die Definitionen der Umweltziele fest, die eigentlichen Kriterien zur Festlegung ökologisch nachhaltiger WirtschaftstÀtigkeiten werden mittels delegierter Rechtsakte festgelegt.

Die Verordnung wurde am 18.6.2020 im Amtsblatt der EU veröffentlicht. Der delegierte Rechtsakt mit den technischen Kriterien zu den klimarelevanten Umweltzielen soll im ersten Quartal 2021 durch die EuropÀische Kommission angenommen werden und am 1.1.2022 in Kraft treten. Der delegierte Rechtsakt mit den technischen Kriterien zu den vier anderen Umweltzielen soll von der EuropÀischen Kommission mit 31.12.2021 angenommen werden und am 1.1.2023 in Kraft treten.

Im Rahmen der Veröffentlichung des EGDs wurde auch der Investitionsplan fĂŒr ein zukunftsfĂ€higes Europa (=Investitionsplan fĂŒr den europĂ€ischen GrĂŒnen Deal) veröffentlicht, welcher die InvestitionssĂ€ule des EGDs darstellt. Ein nachhaltiges Europa erfordert bedeutende Investitionen in allen Wirtschaftssektoren. Der Plan legt dar, wie in den nĂ€chsten zehn Jahren die Investitionen von rund 1.000 Milliarden Euro mobilisiert werden können, um u.a. die fĂŒr 2030 gesteckten Klima- und Energieziele zu erreichen.

Eine neue Strategie fĂŒr ein nachhaltiges Finanzwesen wurde fĂŒr Ende MĂ€rz 2021 angekĂŒndigt, in der unter anderem Maßnahmen im Bereich von Labels (Implementierung eines Green Bond Standards und eines EU Ecolabels fĂŒr nachhaltige Finanzprodukte), die Umsetzung und Anwendung der Taxonomie-Verordnung sowie eine Überarbeitung der Richtlinie fĂŒr nichtfinanzielle Informationen bei Unternehmen (NFRD) enthalten sind. DarĂŒber hinaus sind weitere Schritte zur Integration von Klimarisiken in die Finanzmarktregulierung geplant.


Leitfaden der FMA zur Beurteilung von Nachhaltigkeitsrisiken

Der Leitfaden der Finanzmarktaufsicht (FMA) gibt den direkt der FMA-Aufsicht unterstellten Unternehmen (Banken, Versicherungen, ect) aber mittelbar auch den „nachgeschalteten“ Kreditwerbern Hilfestellung bei der BerĂŒcksichtigung von Risiken. Sobald die Taxonomie-Kriterien fĂŒr die Nachhaltige Finanzierung angewendet werden, werden diese Auswirkungen auf die UnternehmensfĂŒhrung bzw. Unternehmensausrichtung haben.

Derzeit ist noch nicht absehbar, in welchem Umfang die Kriterien der Taxonomie auf unseren Sektor angewendet werden. Eine bereits dezidiert angesprochene Branchen ist z.B. Bergbau.

Vermehrt auftretende Hitzeextreme können zu einem erhöhten Energieaufwand fĂŒr KĂŒhlzwecke fĂŒhren. Sollten verringerte NiederschlĂ€ge im Sommer aufgrund des Klimawandels zunehmen, wird sich dies auf die Energiewirtschaft (Wasserkraft) und eventuell auch auf die Wasserentnahmen fĂŒr KĂŒhlwassernutzungen auswirken. Da das Risiko fĂŒr Starkregenereignisse steigt, nimmt die GefĂ€hrdung von Infrastruktur; Immobilien und der Energieerzeugung bzw. Energielieferung zu. Diese Risiken werden zukĂŒnftig bei der Kreditbereitstellung BerĂŒcksichtigung finden.


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